Nichtsahnend zu dem einen Dancefloor tippelnd schaue ich mich kurz um und dann entdecke ich das Grauen. Auf dem Absatz kehrt machend versuche ich den unweigerlich einsetzenden Würgereiz nieder zu ringen. Das ist eindeutig zu viel des Guten! Nein! besser gesagt entschieden zu wenig des Guten – nämlich der Kleidung. “Sie wollen zum Treffen der anonymen Exhibitionisten – entschuldigen Sie da müssen Sie sich in der Tür geirrt haben.” Der Schock sitzt tief. Das resultierende Trauma ist noch nicht abzusehen. Es gibt Dinge, die möchte man einfach nicht sehen und die Genitalien eines beliebigen Discobesuchers gehören definitiv dazu! ”Es ist wie ein Unfall, man kann einfach nicht weggucken”. “Nein”, denke ich mir, “bei diesem Unfall schließt du lieber die Augen. Solange der in diesem Raum ist, gehst du da nicht wieder rein!”
Doch das ist ja bloß die Spitze des Eisbergs. Egal, wohin man geht, immer wieder schießt mir durch den Kopf “Zieh dir was an Mädchen. Wer etwas kann, Mädchen, zieht dann und wann ein bisschen was an.” Doch scheint langläufig das Mantra gebetet zu werden: Je weniger Stoff meinen Körper bedeckt, desto anziehender bin ich. Dabei lässt das Wort “anziehend” doch gänzlich anderes vermuten… Was das Auge dann erblickt, ist oftmals nicht wohlgefällig. Am besten eben den Schlübber an und einen Büstenhalter reicht! Verdammt, bin ich heiß! Meine Damen: Panties sind Unterhosen, wohingegen Hot Pants extrem kurze Hosen sind. Da gibt es einen kleinen aber feinen Unterschied! Und den sieht man auch!
Zu diesem Thema hat ein Kumpel von mir, einmal den Vogel abgeschossen. Er ging auf eine Party und hatte sich entschlossen als Bekleidung eine Boxershorts mit Zebramuster auszuführen. “Wenn die Frauen in Unterwäsche rumlaufen dürfen, dann darf ich das auch!” So sein Hintergedanke. Im Sinne von Gleichberechtigung, Genderfragen und Sexismus, durchaus ein berechtigter Anspruch, wie ich finde. Nun was geschah? Überall her ertönte unsägliches Zeter und Mordio. Stest zu hören: “IIIIHHHHH! Zieh dir was an! Du bist ja widerlich!” Na meine Damen? Entdecken wir da etwa eine kleine Doppelmoral in uns?
Korsagen sind da noch ein anderes Thema. Sie sollen und können weibliche Rundungen ganz prima zur Geltung bringen und ja, sogar das ein oder andere Pölsterchen wegschnüren. Wenn allerdings keine Taille da ist, wo gehen diese Polstermöbel dann wohl hin? Ich lüfte mal das größte Mysterium unseres Zeitalters: Entweder es bildet sich trotz stabiler Stäbchen ein Rettungsring in der Korsage oder das Fettgewebe quillt am oberen und unteren Ende wieder hinaus. Sowas findet ihr wirklich sexy oder habt ihr den Blick in den Spiegel verpasst? Dabei will ich keineswegs sagen, dass füllige Frauen keine Schnürung tragen dürfen. Die passende Korsage und der passende Sitz können tatsächlich auch Damen ohne Modelmaßen ungemein schmeicheln. Können! Ein Kleidungsstück mit Schnürung und Stäbchen ist aber keine Schlankheitskur! Gerüchte sind mir zu Ohren gekommen von Damen, die sich nicht davon abschrecken ließen, dass es in ihrer Größe keine Korsage zu erstehen gibt, sondern einfach – schwubb die wubb – ZWEI Stäbchen-Bandagen zusammengeschnürt haben! Ein Hoch auf die Kreativität der Leute… Wir halten fest: Man sollte seine Kleider stets der Figur angemessen auswählen.
Es sind aber auch abgesehen von Einzelfällen des Exhibitionismus nicht alleine die Damen der Welt, die ihre Kleidungsmoral überdenken sollten. Zugegebener Maßen sind Fälle von ekelerregender Nacktheit unter dem männlichen Geschlecht weit seltener verbreitet, aber auch nicht auszuschließen. Und so appetitlich ich auch einen gut gebauten männlichen Oberkörper finde – in der Öffentlichkeit und gerade auf Parties, erzeugt es bei mir doch eher gegenteilige Gefühle. Sowohl männliche als auch weibliche Nippel, haben dort nichts zu suchen.
Haltet mich für spießig, aber ich bin der Meinung: weniger ist sehr oft keineswegs mehr. Was nicht heißen soll, dass dieser Artikel ein Plädoyer für Rollkragenpullover darstellt. Mann/ Frau sollte nicht mit Reizen geizen, aber reizen bis aufs Blut, geht dann doch zu weit. Das Standardargument “So bleibt nichts der Fantasie überlassen” ist das eine, aber ein schmeichelndes Outfit kaschiert auch mögliche Problemzonen und unterstreicht die eigenen Vorzüge. Ein anziehendes Kleidungsstück ist häufig sexier als die bloße Nacktheit. Die wiederum, kann gerne privat ausgepackt werden, jedoch ich als Verfechterin der Ästhetik möchte den Großteil der Partygäste lieber nicht nackt sehen.
Ist ausgezogen denn wirklich anziehender als hübsch verpackt?






















