Jun 05 2013

Zu viel zu wenig – die unfreiwillige Fleischbeschau

Category: Allgemein,Alternativ - GesellschaftlichMichi @ 20:37

Nichtsahnend zu dem einen Dancefloor tippelnd schaue ich mich kurz um und dann entdecke ich das Grauen. Auf dem Absatz kehrt machend versuche ich den unweigerlich einsetzenden Würgereiz nieder zu ringen. Das ist eindeutig zu viel des Guten! Nein! besser gesagt entschieden zu wenig des Guten – nämlich der Kleidung. “Sie wollen zum Treffen der anonymen Exhibitionisten – entschuldigen Sie da müssen Sie sich in der Tür geirrt haben.”  Der Schock sitzt tief. Das resultierende Trauma ist noch nicht abzusehen. Es gibt Dinge, die möchte man einfach nicht sehen und die Genitalien eines beliebigen Discobesuchers gehören definitiv dazu! ”Es ist wie ein Unfall, man kann einfach nicht weggucken”. “Nein”, denke ich mir, “bei diesem Unfall schließt du lieber die Augen. Solange der in diesem Raum ist, gehst du da nicht wieder rein!”

Doch das ist ja bloß die Spitze des Eisbergs. Egal, wohin man geht, immer wieder schießt mir durch den Kopf “Zieh dir was an Mädchen. Wer etwas kann, Mädchen, zieht dann und wann ein bisschen was an.” Doch scheint langläufig das Mantra gebetet zu werden: Je weniger Stoff meinen Körper bedeckt, desto anziehender bin ich. Dabei lässt das Wort “anziehend” doch gänzlich anderes vermuten… Was das Auge dann erblickt, ist oftmals nicht wohlgefällig. Am besten eben den Schlübber an und einen Büstenhalter reicht! Verdammt, bin ich heiß! Meine Damen: Panties sind Unterhosen, wohingegen Hot Pants extrem kurze Hosen sind. Da gibt es einen kleinen aber feinen Unterschied! Und den sieht man auch!

Zu diesem Thema hat ein Kumpel von mir, einmal den Vogel abgeschossen. Er ging auf eine Party und hatte sich entschlossen als Bekleidung eine Boxershorts mit Zebramuster auszuführen. “Wenn die Frauen in Unterwäsche rumlaufen dürfen, dann darf ich das auch!” So sein Hintergedanke. Im Sinne von Gleichberechtigung, Genderfragen und Sexismus, durchaus ein berechtigter Anspruch, wie ich finde. Nun was geschah? Überall her ertönte unsägliches Zeter und Mordio. Stest zu hören: “IIIIHHHHH! Zieh dir was an! Du bist ja widerlich!” Na meine Damen? Entdecken wir da etwa eine kleine Doppelmoral in uns?

Korsagen sind da noch ein anderes Thema. Sie sollen und können weibliche Rundungen ganz prima zur Geltung bringen und ja, sogar das ein oder andere Pölsterchen wegschnüren. Wenn allerdings keine Taille da ist, wo gehen diese Polstermöbel dann wohl hin? Ich lüfte mal das größte Mysterium unseres Zeitalters: Entweder es bildet sich trotz stabiler Stäbchen ein Rettungsring in der Korsage oder das Fettgewebe quillt am oberen und unteren Ende wieder hinaus. Sowas findet ihr wirklich sexy oder habt ihr den Blick in den Spiegel verpasst? Dabei will ich keineswegs sagen, dass füllige Frauen keine Schnürung tragen dürfen. Die passende Korsage und der passende Sitz können tatsächlich auch Damen ohne Modelmaßen ungemein schmeicheln. Können! Ein Kleidungsstück mit Schnürung und Stäbchen ist aber keine Schlankheitskur! Gerüchte sind mir zu Ohren gekommen von Damen, die sich nicht davon abschrecken ließen, dass es in ihrer Größe keine Korsage zu erstehen gibt, sondern einfach – schwubb die wubb – ZWEI Stäbchen-Bandagen zusammengeschnürt haben! Ein Hoch auf die Kreativität der Leute… Wir halten fest: Man sollte seine Kleider stets der Figur angemessen auswählen.

Es sind aber auch abgesehen von Einzelfällen des Exhibitionismus nicht alleine die Damen der Welt, die ihre Kleidungsmoral überdenken sollten. Zugegebener Maßen sind Fälle von ekelerregender Nacktheit unter dem männlichen Geschlecht weit seltener verbreitet, aber auch nicht auszuschließen. Und so appetitlich ich auch einen gut gebauten männlichen Oberkörper finde – in der Öffentlichkeit und gerade auf Parties, erzeugt es bei mir doch eher gegenteilige Gefühle. Sowohl männliche als auch weibliche Nippel, haben dort nichts zu suchen.

Haltet mich für spießig, aber ich bin der Meinung: weniger ist sehr oft keineswegs mehr. Was nicht heißen soll, dass dieser Artikel ein Plädoyer für Rollkragenpullover darstellt.  Mann/ Frau sollte nicht mit Reizen geizen, aber reizen bis aufs Blut, geht dann doch zu weit. Das Standardargument “So bleibt nichts der Fantasie überlassen” ist das eine, aber ein schmeichelndes Outfit kaschiert auch mögliche Problemzonen und unterstreicht die eigenen Vorzüge. Ein anziehendes Kleidungsstück ist häufig sexier als die bloße Nacktheit. Die wiederum, kann gerne privat ausgepackt werden, jedoch ich als Verfechterin der Ästhetik möchte den Großteil der Partygäste lieber nicht nackt sehen.

Ist ausgezogen denn wirklich anziehender als hübsch verpackt?

 

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Mai 20 2013

The Dark Star – Sternstunden in der Sputnikhalle

Category: PartyreportageMichi @ 15:51
Flyer

Flyer

 

Wandering about in a universe. Back and forth – torn. 

Über die Tanzfläche wandere ich umher, manchmal hin und her gerissen zwischen den beiden Floors, in einem Universum, gar nicht weit von hier – in Münster. Ich habe mal nicht nur über den Tellerrand geguckt, sondern bin direkt in die benachbarte Suppe gesprungen – mit Anlauf. Denn was hat ein WGT-Waise an Pfingsten auch anderes zu tun? Nach zwei Tagen, die man der Erkältung Raum gegeben hat, sich es doch nochmal anders zu überlegen und ausnahmsweise mal nicht anzuschlagen, brach die Tanzwut aus mir heraus. Das neue Kleid hängt schon sehnsüchtig, auf den ersten Auftritt wartend im Schrank, die Gelegenheit ist zu gut. Mit vollem Auto geht es also nach Münster. Obwohl ich in den nördlicheren Ausläufern des Münsterlandes aufgewachsen bin, ist dies mein Debüt für Schwarze Parties in Münster. Ohne zu viel vorweg zu nehmen: Der Plan, durch das Tragen von Schuhen mit Absatz (ich bin zwecks ausgeprägter Tanzsucht Verfechterin flacher Schuhe) das Verausgaben beim Tanzen zu reduzieren, ist sowas von überhaupt gar nicht aufgegangen.

Die Sputnikhalle in Münster befindet sich auf einem alten Industriegelände jenseits der Halle Münsterland. Auf diesem mit Graffiti überzogenem Gelände tummeln sich noch diverse andere alternative Clubs Münsters (beispielsweise Club Favela oder Tryptichon). Es sieht ein wenig wüst aus hier, eine Mischung aus Ghetto und Endzeitszenario. Auch das Parken wirkt chaotisch, ist letztendlich aber (wenn man in Kauf nimmt, einige Meter zu laufen) unproblematisch. Im Laden selbst steht man erstmal in einem Innenhof eines Industriegebäudes, der als großzügiger Biergarten fungiert. Es sieht hier so aus, als habe eine Gruppe jugendlicher Autonomer den Sperrmüll geplündert. Bunt durcheinander gewürfelte Sofas stehen in den Ecken, neben Bierzeltgarnituren. Unter Wellblech-Abdächern gibt es sogar eine Garderobe. Insgesamt kann ich den Charme des Ladens als eine Mischung zwischen Osnabrücker Hyde Park und Bielefelder Falkendom beschreiben – ein wenig abgerockt, aber irgendwie auch kultig. Ein Mitfeiernder aus OWL beschrieb es so: “Sieht hier aus wie Im AJZ.” Da ich das AJZ noch nicht gesehen habe, lasse ich das mal so stehen. Die Preise der Sputnikhalle sind mehr als nur fair: 4€ der Eintritt, das Bier 2,30 und die Cola 2€. Da kann man wahrlich nicht meckern! 20 cent Flaschenpfand sollte man allerdings mit einberechnen ;). Die Sanitäranlagen sind nicht luxuriös aber sauber. Der Eindruck vom Laden, ist nach anfänglicher Skepsis gut.

Im Land, wo die Haie fliegen gibt es zwei Räume: Die Mainhall “Electric Ballroom” und das Café, welches für diesen Abend zum zweiten Floor ummodelliert wurde. Die Mainhall wartet mit einer, an der Gesamtfläche gemessen schön großen Tanzfläche auf, die eine Empore aus Holz darstellt mit dezenter roter Randbeleuchtung. Eine große Theke schmiegt sich an die linke Seite. Die hintere Ecke des Raumes, über der ein Hai schwebt, ist durch einen roten Vorhang abgetrennt. Angekündigt ist hier: “Gothic Club Classics of the 90s & more mit DJ Niggels & DJane Ines”. Ich würde jetzt nicht unterschreiben, dass hier vorwiegend die 90er gespielt wurden, aber eine angenehme Mischung aus zeitlosen Klassikern und allem, was die “präcyber Ära” zu bieten hat, nahm mich regelrecht gefangen. Spätestens bei Dark Star hielt mich nichts mehr.

Im Café wird man zunächst von der Pizzabar empfangen (Es gibt Pizza!). Die Raummitte dient als Tanzfläche, eine Empore an der Stirnseite als DJ -Bereich und rechter Hand findet man die kleinere Theke. INDUSTRIAL ATTACK! steht hier auf dem Programm, d.h. Industrial, Hellectro und Cyber, aufgelegt von den DJs Sagaart und Grey. Hier tümmelt sich Krach mit den (wie ich es so gerne sage) “Unvermeidlichen”, aber im späteren Verlauf des Abends komme ich auch hier fleißig zum Tanzen.

Feierlaune kommt nach Mitternacht auch gewaltig auf, obwohl es nicht wirklich proppevoll ist. Gründe hierfür könnten das szenefremde Konzert im Vorhinein oder das WGT sein. Ich hoffe, dass  Münster nicht OWL-ähnliche Zustände erreicht hat und die Szeneparties hier generell gut gefüllt und profitabel sind. Trotzdem sind für meinen Geschmack die Tanzflächen sehr gut bevölkert und die Stimmung super. Ich für meinen Teil kann nur sagen: Exhausted, starved, yet still a hunter. Hidden, lurking behind some planets. Faster! Faster! Bis hin zum Krampf im Fuß, bei dem ich endlich meine Eitelkeit überwinde und die flachen Sandalen anziehe. Auch die Erkältung dachte sich wohl: Jetzt erst recht. Bereuen werde ich diesen Abend trotzdem nicht. Bei den münsteraner Gästen, habe ich, denke ich mal, bleibenden Eindruck hinterlassen. Ob als durchgeknallte Spinnerin oder attraktive Tanzgöttin bleibt Ihnen überlassen. Ich habe mich jedenfalls überaus gut amüsiert. Das Highlight des Abends findet jedoch ein wenig Abseits statt. Beim Verabschieden drücke ich DJ Niggels eine unserer schmucken Visitenkarten in die Hand. Er grinst und sagt bloß “Kenn ich schon.” Und das beflügelt mich dann vollends.

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Apr 21 2013

Ganz und gar nicht grottig! Schwarzsehen stellt alle Erwartungen in den Schatten

Category: PartyreportageMichi @ 18:38
Die einladenden DJs

Die einladenden DJs

Wie füllt man am geschicktesten das entstandene Veranstaltungs -Vakuum in OWL? Die Antwort scheint zu lauten: mit einer geheimnisvoll nebulösen Veranstaltungsplanung. Man nehme: Zwei renomierte, engagierte DJ’s, eine bislang unbekannte Location mitten im Nirgendwo zwischen den Feldern und Wiesen Herfords und hülle darüber den Nebel des Geheimnsivollen. “Schwarzsehen mit DJ Michelle und Alexx Botox” war angekündigt, aber nur für eingeladene Gäste. Diese bekamen einige wenige weitere Infos: den Veranstaltungsort mit Adresse, der kurzerhand “Grotte” getauft wurde und den Veranstaltungsbeginn. Eingeladene Gäste, durften wiederum weiter einladen, sodass die Mund-zu-Mund Propaganda fleißig florierte. Social Media wurde hier ganz geschickt, aber auch massivst eingesetzt. Listen von Zu- oder Absagen waren nicht einsehbar, so dass niemand wusste, wer und wie viele Leute kommen wollen. Ganz zu Schweigen von der allgemeinen Verwirrung über den Ort. “Noch nie gehört.” – “War das nicht mal eine Stripbar?” – “Wo soll da denn was sein, da gibt’s doch bloß Acker?!” – “Ich glaube das ist ein Raum für Hochzeitsfeiern.” Abschrecken ließ sich von dieser Geheimniskrämerei scheinbar keiner, denn das Konzept schlug ein wie eine Bombe.

Blick auf die Bühne

Blick auf die Bühne

Zwischen Feldern hindurch schlängelt sich die Straße, an dessen linkem Straßenrand ein Gebäude auftaucht, dass nach großer Kneipe aussieht. Bunte Lichter und laute Musik sind wage zu vernehmen, schwarz gekleidete Menschen wuseln durch die Gegend. Hier müssen wir richtig sein, also wird auf den “Parkplatz” abgebogen. Vor dem Gebäude parken? Pustekuchen! Alles ist schon belegt und wir werden auf einen Feldweg verwiesen. Skeptisch stapfen wir zur Location. Es scheint tatsächlich ein Veranstaltungsraum einer Kneipe zu sein. Die Party läuft seit etwa einer halben Stunde und es ist schon gut voll, was sich im Laufe der nächsten Stunde allerdings nochmal steigern wir. Man ist froh, wenn man aus dem vollen Eingangsbereich weichen kann. Rechts neben diesem erstreckt sich eine lange Bar und links dann beinahe direkt die Tanzfläche, die proportional gesehen für den insgesamt eher knapp bemessenen Raum, verdammt groß ist. Ein wenig abgegrenzt durch das “grottige” Design von Felswandart liegt dahinter eine kleine Bühne, die von den DJ’s genutzt wird. Geschmeidige Holzplanken schmeicheln den Füßen der Tanzenden. Alle anderen drängen sich um die Hocker an der Bar oder sitzen in den Fensternischen. Alles in allem eine ordentliche Atmosphäre in dem Laden. Ein paar kleine Provisorien fallen kurz ins Auge (schwarze Tücher verhängen die Fenster im Tanzflächenbereich) und bei Tageslicht mag ich das Ganze vielleicht auch nicht sehen, aber im Dunkeln ist bekanntlich gut Munkeln. Zusammenfassend ist hier alles in einem akzeptabel-sauberen Zustand.

Voll war's gestern ...

Voll war’s gestern …

Erwähnte ich schon, dass es voll ist? Nicht? Okay: es ist so voll, dass ich mich zeitweise gar nicht traue, von der Tanzfläche runter zu gehen, aus Furcht keinen Fuß mehr an den Boden zu bekommen. Um die Tanzfläche herum, wird sich nämlich besonders dicht postiert. Das ginge mir natürlich nicht so, wenn die Musikauswahl der beiden Scheibenkünstler, mir nicht wohlgefällig wäre. Es ist eine gute abwechslungsreiche Mischung, mit relativ wenigen “üblichen Verdächtigen”. Die Wechsel zwischen beiden Diskjockeys sind höchstens dann zu erkennen, wenn man erhaschen kann, wie sich einer der beiden Auflegeakrobaten für ein Päuschen vom Pult zurück zieht. Dem Publikum, scheint es sehr gut zu gefallen. Für fast jeden ist etwas mit dabei, sei es Postpunk, Noise oder Synthie – glücklicherweise wird der Mittelalterbereich großzügig ausgespart. Die Tanzfläche ist beinahe dauerhaft lückenlos gefüllt, allerdings ohne, dass es zu unangenehmen Gedränge kommt. Aufregen kann ich mich dann letztendlich nur über das Verhalten einiger Gäste. Die Tänzfläche, heißt Tanzfläche, weil sie zum Tanzen da ist! Wenn ihr beisammen stehen wollt, zum Pläuschchen halten, dann geht doch um Himmels Willen woanders hin! Auf einer eh schon vollen Fläche ist das ein nicht zu unterschätzender Störfaktor, wenn sich direkt vor einer tanzwütigen, kleinen Person ein Pulk Menschen stellt zum Reden! Herzlichsten Dank.

Ambiente

Ambiente

Für eine kurze Verwirrung sorgt bei mir die Getränkekarte: Sie ist klein und bietet zumindest an unalkoholischem Sortiment eine sehr unübliche Mischung: Wasser, Apfelschorle oder Mate-Cola. That’s it. Preise stehen auch nicht auf der Karte drauf, statt dessen, ganz mysteriös, große und kleine Smilies. Für 50 Cent Flaschenpfand bekommt man einen orangefarbenen Plastikchip, dem man später zusammen mit der leeren Flasche wieder einwechseln kann. Das sorgt, für wenig herumstehendes, heruntergefallenes oder zertretenes Leergut. Eine gute Sache.

Bedingt durch das Rauchen im Raum und die vielen Leute wird während des Abends die Luft natürlich immer dicker, aber bleibt im Großen und Ganzen grade noch erträglich. Mein Sitzplatz auf den Stufen vor dem DJ Pult erweist sich dann auch als ungünstig, als der Hustenreiz ob der hinter mir stehenden Nebelmaschine einsetzt- auch wenn der Nebel majestätisch und episch an mir vorbei die Stufen herunterkriecht, sollte ich meine Platzwahl das Nächste mal überdenken ;). Nebel muss sein!

Für das Fazit des Abends, schließe ich mich den beiden DJ’s an: Legendär! Eine richtig grandios gut besuchte Party mit schöner Musikauswahl und einer bombigen Stimmung. Trotz des Namens: Ganz und gar nicht grottig!

Veranstaltung: Schwarzsehen mit Michelle und Alexx
Eventfotografie (mit freundlicher Genehmigung): Julian Huchtmann


Apr 06 2013

Highlight Haujobb im chaotischen Kulttempel

Category: KonzertMichi @ 18:47

2013-04-05 – Kulttempel Oberhausen, Haujobb live – FlyerDoors Open 19 Uhr. So steht es geschrieben. Dank sehr preußischem Zeitmanagement halten die Reifen des Autos  um 18.50 inne. Konzertkarten in der Hand steigen wir aus und werden dann von einer Gruppe junger Männer gefragt, ob wir auch in die Turbinenhalle wollten, da würde heute doch ein Rapkonzert stattfinden. Nach einem skeptischen, meinerseits schockierten Blick an uns selbst herunter geben die Herren mit einem Augenzwinkern zu, dass wir da doch wohl nicht hinpassen. Freundlich zeigen wir ihnen die ungefähre Richtung, in der die Turbinenhalle, nicht unweit unseres Ziels, dem Kulttempel, liegt. Lachend gehen wir unseres Weges, um festzustellen: nix los hier! Die Doors sind open, aber der Kulttempel noch nicht bereit für den Einlass. Eher durch Zufall haben wir freie Bahn in den Eingangsbereich, wo eine hektische blonde Dame steht und wohl irgendetwas mit Hotelzimmern zu regeln hat. Ein Türsteher lässt sich dann nach einiger Zeit blicken. Wir warten ja artig dirket hinter der Tür, draußen ist’s schließlich kalt. Doch unbarmherzig werden wir darauf hingewiesen, draußen zu warten “fängt hier eh nicht pünktlich an.” Das zum Thema Zeitmanagement.

Also noch ein Snack bei einem nahe gelegenen Schnellrestaurant und dann wieder rein. Diesmal ist auch Einlass. Drinnen mal die Merch- Auslangen angeschaut, wo Daniel Myer in seine iPad vertieft sitzt und der Dinge harrt, die da noch kommen werden, während im Hintergrund noch Soundcheck gemacht wird. Ganz gemütlich warten wir auf den Beginn des Konzertes, schlürfen Kaffee oder Limo – ganz artig. Ich allerdings sehe mir beunruhigt die hereintröpfelnden Gäste an und fühle mich verdammt jung. Eine oder zwei Damen, die in etwa an mein Alter herankommen dürften, werden aber noch im Laufe des Abends auftauchen. Im Allgemeinen bin ich in der Altersstatistik aber der eine Ausrutscher nach unten. Blicke, die mir von der Seite her zugeworfen werden, verstärken das ungute Gefühl, hier irgendwie fehl am Platz zu sein. “Die kleine Michaela möchte gerne im Spielparadies abgeholt werden.” Wenigstens fehlt mir hier heute Abend nicht der Galgenhumor. Matthias fühlt sich hingegen pudelwohl (der alte Sack :P).

Spherical Disrupted

Spherical Disrupted

Der erste Künstler steht dann an seinem Synthesizer auf der Bühne und fängt an schicke Ambient Mucke zu zaubern. Das Publikum wagt sich vereinzelt bis zur Hälfte der Strecke zur Bühne heran. Schöne Hintergundmusik, aber mir ein wenig zu langweilig – ich mag Vocals. Matthias lässt sich entspannt davon einlullen und wir beide fragen uns: “Wer zum Teufel steht da grade eigentlich auf der Bühne?” Der Blick ins Veranstaltungsprogramm verrät: Es ist Spherical Disrupted, also Mirko Paranoid (DJ im Kulttempel/ Tryptichon Münster). Er selbst, stellt sich nicht vor (weil er den Einheimischen des Kulttempels bekannt ist), sondern spielt sein Programm unkommentiert durch und erntet am Ende verdienten Applaus, jedoch keine Begeisterungsstürme.

Umbauphase, Pause und weiter gehts mit Pyrroline. Die stellen sich hingegen auch vor und sagen ihre Lieder mit Namen an. Im Hintergund laufen Videos über die Leinwand, die ganz “modern und visionär” Atompilze, Kampfroboter oder andere Endzeitszenarien zeigen. Irgendwann laufen auch Szenen aus der neuen Battlestar Galactica-Serie im Hintergrund. Zu diesen visuellen Neuheiten

Pyrroline

Pyrroline

(*schnarch*) paart sich eine verzerrte, monotone Stimme, ohne Variation – und Drums, die auch häufig den gleichen Rythmus spielen. Zu Beginn sogar irgendwie unstimmig und aus dem Takt. Die Musik aus dem Synthesizer hingegen ist astrein, gut tanzbar bis hin zu treibend, – ebmig. Allerdings reißt es das für uns irgendwie auch nicht raus. Das restliche Publikum ist ähnlicher Meinung, einige wenige stampfen von rechts nach links, insgesamt wird sich aber verhalten gegeben.

Project Underviewer

Project Underviewer

Bei der dritten Vorband rücken alle näher zur Bühne. Die Erwartungshaltung ist groß, da das Project Underviewer von keinen anderen Musikern betrieben wird, als zwei Mitgliedern von Front 242. Hinter zwei transparenten Stoffbahnen hockt der eine hinterm Synthie und lässt sich vom Beamer bestrahlen. Der Effekt wirkt gut. Auf den Stoffbahnen reflektiert und doch durchscheinend werden verschiedene Sequenzen kunstvoll in Szene gesetzt. Der Frontmann und Sänger allerdings bewegt sich irgendwie unbeholfen. Eine strenge Miene unterstützt den allgemeinen Eindruck, er fühle sich da oben überhaupt nicht wohl… Eine markante Stimme allerdings hat er, die zumindest 50% von uns gefällt ;). Die Musik dahinter ist auch solide, mal gefühlvoll, mal tanzbar. Manchmal harmoniert beides noch nicht immer vollkommen, denke ich mir und bin mir unsicher, ob die abrupten Abbrüche der Songs zu ihrem Ende, stilistisch gewollt sind oder nicht. Es stört ein wenig den Flow der Lieder die mich zu einer Art Trance einlullen und ich werde irgendwie träge, wie ich mich da von rechts nach links wiege.

Haujobb - Daniel Myer

Haujobb – Manuel Richter & Daniel Myer

So richtig voll vor der Bühne wird es erst bei Haujobb und die Stimmung heizt sich urplötzlich auf. Das Publikum tanzt sich die Seele aus dem Leib und auch Frontmann Daniel Myer wirbelt den Mikrofonständer ordentlich durch die Gegend. Flankiert wird Meister Myer auf beiden Seiten von Manuel Richter (von Xabec) und Dejan Samardzic. Jeder der beiden ist mit Drums und Synthesizer bewaffnet, Myer selbst mit Zetteln, auf denen die Texte stehen. Seine Entschuldigung: “Wir treten ja nur zwei Mal im Jahr auf.” Dafür klingt jedoch alles stimmig und mir fallen keine Pannen auf. Auch stören mich an einer Stelle fehlende Drums nicht wirklich. Den Herrn Myer hingegen schon: “Wo bleiben deine Drums?” fragt er mitten im Song den links neben ihm stehenden Dejan. Auch Haujobb nutzen die Leinwand im Hintergund. Eine Slideshow mit sehr künstlerischen Fotos untermalt die bombatisch gute Musik. Myers iPad fand das zeitweilig nur ein wenig langweilig und zeigte hin und wieder lieber seine Nutzeroberfläche. Die dargebotenen Songs sind ein Querschnitt durch die Musikgeschichte der Band.

Haujobb - Dejan Samardzic

Haujobb – Dejan Samardzic

“Einige Ü30 unter euch kennen den Song vielleicht.” Matthias tätschelt mir den Kopf und ich grummel vor mich hin. Zweimal werden die drei Ausnahmemusiker zurück auf die Bühne gebeten. Die Musik von Haujobb überzeugt live dermaßen, dass ich nach deren Show auf dem Amphi 2012 nicht lange brauchte, um “Ja” zum Kauf dieser Konzertkarten zu sagen. Dabei konnte ich nicht, wie einige andere begeisterte Fans jeden Song mitsingen. Diese live Auftritte machen so richtig Laune. Großartig, einfach nur großartig. Schade, dass sie so selten auftreten.

Bei der Aftershow Party war dann doch wieder der Wurm drin. Der Sound dröhnt und schrebbelt, was die Musik für uns nicht gerade attraktiver macht. Die klingt irgendwie, so wie das Konzert von Pyrroline, nur mit schlechtem Sound. Langsam an den Energiereserven zerrend (man ist ja schon etwas länger auf den Beinen) bleiben wir noch ein Weilchen für einen Drink, machen uns aber dann auf den Heimweg. Mit allem hin und her ist es mittlerweile ja auch schon 1:30 Uhr und der Heimweg lang. Trotz allem “Geschwurbel” (Wort des Tages ;) ) und den Pleiten, Pech und Pannen des Abends, hat er sich für uns dennoch gelohnt. Denn wir fuhren für ein Haujobb Konzert nach Oberhausen und ein solches haben wir auch genießen können – und darauf kommt es doch letztendlich an.

Haujobb - Daniel Myer

Haujobb – Daniel Myer

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Mrz 19 2013

Polit – Polarisation

Category: Allgemein,Alternativ - GesellschaftlichMichi @ 21:08

Aus ein zwei Ecken werden altbekannte Diskussionen hervorgekramt über nationalsozialistische Tendenzen in der Szene. Auf unserer Facebook Präsenz tauchte ein Video mit dem Namen “Respekt, Anstand, Moral” auf, in dem im Hintergrund Politiker ihre Reden schwingen. Ist das Zufall oder sprosst hier gerade eine Politisierung heran?

Mich würde es nicht wundern, wenn tatsächlich ein kleiner, wenn auch noch feiner, politischer Ruck durch die Szene ginge. Schließlich ist ein politisches Thema definitiv in den Vordergrund der alternativen Musikszene und auch der Gesellschaft allgemein gerückt worden. Ich spreche von nationalsozialistischen Tendenzen in der Musik. Kürzlich noch wurde die Band Freiwild von der Nominierung für den Echo ausgeschlossen, da ihre lyrischen Inhalte rechtsextrem interpretierbar sind. (Und an dieser stelle kein Konjunktiv, denn meiner Meinung nach sind sie definitiv so interpretierbar!). Das bedeutet nicht gleich, dass der Band selbst solche Intentionen innewohnen. Andere Nominierte sahen rot, so dass schließlich Freiwild, trotz definitiver Erfolge, nicht nominiert sein werden.

Wie wird dieses Thema bei “uns” behandelt?  Darauf gibt es meiner Ansicht nach nur eine Antwort: es wird provoziert. Rechtsextremismus und Nationalsozialismus ist ein Tabu-Thema, was nicht zuletzt durch die heftigen Reaktionen auf Freiwilds Nominierung deutlich wird. Das machen sich Musiker aus dem schwarzen Umfeld zu Nutze – Tabu-Themen werden schließlich überaus gerne aufgegriffen, um an ihrer Tabuisierung zu rütteln. Viele Musiker wollen mit Anspielungen auf Rechtsextreme Inhalte schockieren. Denn das bringt Aufmerksamkeit und das wiederum bedeutet Ruhm und Verkaufszahlen.  Unter dem Deckmantel der Kunst werden SS Symboliken und Uniformen rausgekramt. Das Ganze geht so weit, dass auf Konzerten der Ruf “Wollt ihr den totalen Krieg?” vom Frontmann zu hören ist. Natürlich funktioniert dieser Mechanismus auch in Bezug auf andere provozierende Themen.

Wie gehen “wir” damit um? Manche Leute finden einen Gefallen an diesen Provokationen, andere schreien empört auf, doch die meisten zucken mittlerweile nur noch müde mit den Schultern. Ist ja nichts Neues und längst schon ist klar, dass in den meisten Fällen keine rechtsextreme Gesinnung hinter diesem Gehabe steckt. Außerdem wurde man ja bereits in der Schule genug mit diesem Thema gequält. Die jetzigen Generationen haben damit doch nichts mehr am Hut! Wir warens ja nicht! Diese Schulterzuck- Mentalität führt jedoch nicht dazu, dass dieses Thema verebbt, da nicht mehr genug Aufmerksamkeit dafür gespendet wird, sondern es wird meines Erachtens nach, eher zu noch drastischeren Methoden gegriffen, um dann doch noch schockieren zu können. Eine Spirale fängt an sich hochzuschaukeln und der Ruf der Szene rückt nach rechts.

Allgemein muss man sagen, dass wir doch insgesamt eine sehr unpolitische Szene sind. Insofern, dass keine politischen Ideale verankert sind, wie es beispielsweise im Punk der Fall ist. Jedem ist selbst überlassen, welche Gesinnung sein eigen ist und das ist ja auch gut so. Politik ist immer ein schwieriges Thema, das ist klar, nur wird sehr selten überhaupt darüber geredet, mal so unter uns gesagt. Das ist in der allgemeinen Gesellschaft natürlich nicht anders. Unsere unpolitische Haltung auf der einen Seite und die Provokationsmentalität auf der anderen, könnten aber zum Nährboden für extreme Aktivisten werden, die mit Szene eigentlich nichts am Hut haben. Gerüchte Weise soll dies schon auf dem WGT versucht worden sein.

Was können wir tun? Müssen wir überhaupt handeln?

Ich denke, dass es nichts bringt, großes Aufhebens um das Thema Nationalsozialismus/ Rechtsextremismus zu machen. Vielmehr sollten wir wieder einmal bei uns selbst anfangen. Uns selbst hinterfragen. Was wollen mir solche Provokationsmittel sagen? Was will die Band / der Musiker/ die Musikerin damit erreichen? Wie finde ich das und wie will ich damit umgehen? Was wir gebrauchen könnten, ist meiner Meinung nach eine Politisierung. Lass uns dieses Thema doch als politisches auffassen und uns überlegen, ob man selbst solche Richtungen unterstützt. Lasst uns provozierende Inhalte (egal welcher politischen Richtung) kritisch Hinterfragen. Lasst uns andere Themen anpacken und zur Sprache bringen, damit die Diskussionen bunter werden und nicht bloß braun. Lasst uns diesen kleinen Ruck aufnehmen und ausweiten. Lasst uns der Gesellschaft voranschreiten und sensibler werden für politische Themen!

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Mrz 03 2013

Zappeln in der Zeche – der NachtTanz in Essen

Category: PartyreportageMichi @ 22:28
Flyer

Flyer

“Bist du Zuhause?” – “Ja.” – “Hast du Zeit?” – “Ja.” – “O.K. Ich hol dich um 22 Uhr ab.”

Zeche Carl

Es ist 19 uhr. Die Augenringe im Gesicht künden noch von der letzten Nacht, aber egal. Das Motto des Abends wurde dann mal spontan auf “Ab in den Pott!” geändert, die Augenringe überschminkt und los gings! Unser Ziel war die Zeche Carl in Essen, in der zum ersten mal der Nachttanz stattfinden sollte.

In Essen angekommen werden wir freundlich an der Kasse empfangen. Durch die nächste Tür geht es in die eigentliche Location und man steht schon fast auf dem ersten Dancefloor. Im rechten Teil des Raumes befinden sich eine gemütliche Cocktailbar und der Zugang zur Lounge. Ein großer Korridor führt zur Mainhall. Die Atmosphäre der Räumlichkeiten ist gewaltig: Industriebau vom Feinsten. Decken, die bis zum Himmel reichen und mal gefliester, mal hölzerner Boden. Tanzfläche ist massig vorhanden. Begrenzt wird diese nicht durch einen extra Bodenbelag, sondern durch Stehtische, die am Rande aufgebaut stehen. Das schadet dem Tanzgefühl jedoch nicht im mindesten. Der Boden ist nicht zu rutschig, nicht klebrig und hat keine Stolperfallen. Was will man mehr?

2013-03-02 - Zeche Carl, Essen - Nachttanz #1 - 02Die Musik bietet eine schöne Mischung aus Oldschool und Newschool. Auf dem Mainfloor, der alten Kaue der Zeche wird laut Programm EBM, Industrial und Futurepop gespielt. Um die “Unvermeidlichen” – “Gruft-Techno” Stücke kommt man auch hier nicht herum. Diese würzen allerdings viele Stücke des Abends mit Seltenheitswert, tatsächlich  auch garniert  mit richtigem EBM und richtigem Industrial. Mal ein wenig Gestampfe, mal ein wenig Geschrebbel und viel Tanzbares legt ein gut gelaunter Alexx Botox auf. Traditioneller geht es bei DJ Toom und DJ Dejan auf dem Floor im Eingangsbereich zu. Postpunk, Gothic, Wave und 80s beschallen den kleineren Dancefloor. Allgemein wurde der Lautstärkepegel im Laufe des Abends angehoben, was ich zeitweise als unangenehm empfand. Zugegebener Maßen bin ich bei dem Thema “Es ist viel zu laut hier!” – “WAAAAAAS?” auch eher sensibilisiert. Aber gerade im Oldschool-Bereich könnte ein wenig leiser nicht schaden, damit man sich beim Cocktail schlürfen nicht permanent anbrüllen muss.

2013-03-02 - Zeche Carl, Essen - Nachttanz #1 - 03

Das DJ-Team

Hauptsächlich spielte sich am gestrigen Abend die Party aber tendenziell in der zweiten Area ab. Auf den Parties im Ruhrpott wird obendrein ein stilmäßig recht “sauberes” Programm geboten, kein Mittelalterrock oder Titel der neuen deutschen Härte, also blieb das tanzende Publikum lange bei der Stange und konnte eifrig seinem Bewegungsdrang freien Lauf lassen.
Vorn an der Cocktailbar und im Bistro war zwar etwas weniger los, aber auch hier konnte der geneigte Gast das gradlinige Programm feiern. Zumindest nach meiner Auffassung sollte eine schwarze Feier genau so sein: Es wird geboten, was auf dem Flyer steht.

Es war am gestrigen Abend sicherlich nicht voll, dementsprechend hatte man Platz zum tanzen. Viele der anwesenden Gäste habe ich auch schon in anderen Ruhrpott-Discotheken wie dem Eisenlager, Kulttempel oder dem FZW gesehen. Gäste von “Außerhalb” waren wohl anwesend, aber dominierten nicht das Bild. Die Gäste, die wir allerdings aus unseren Regionen her kennen, gehörten definitiv nach 3 Uhr zum harten Kern. Um diese Uhrzeit leerte sich das Etablissement doch zusehens, was der Stimmung der hartnäckigeren Gästen keinen Abbruch tat.

2013-03-02 - Zeche Carl, Essen - Nachttanz #1 - 04Die Besucherzahl lässt sich sicherlich aus zwei Gründen erklären – zum einen war der Nachttanz die erste Feier aus der Reihe, die bis dahin am 1. Samstag im Monat in der Zeche Carl stattfindende Gothic Industrial Party (GIP) ist in den Kulttempel Oberhausen umgezogen. Zum zweiten fanden am gestrigen Abend im Großraum Ruhrgebiet laut Aussage der Veranstalter wohl noch viele andere schwarze Parties statt.
Da die Stimmung allgemein hervorragend war, sollte man jedoch abwarten, wie sich die zukünftigen Termine gestalten und ob die übliche Mund-zu-Mund-Propaganda mehr Publikum für den NachtTanz mobilisiert. Grade das Veranstaltungs-Vakuum, welches im Moment im Raum OWL entsteht, könnte möglicherweise von dort einige Gäste nach Essen treiben.

Das heutige Resumee der Gäste auf Facebook bestätigt im Übrigen den positiven Eindruck von gestern – wie ich gestern bereits Alexx sagte: “Soviel wie heute habe ich schon lange nicht mehr getanzt!”.

2013-03-02 - Zeche Carl, Essen - Nachttanz #1 - 05Es hat sich definitiv gelohnt zu dieser durchaus gelungenen Veranstaltung zu fahren. Der Nachttanz ist in sich stimmig und bietet eine gute musikalische Mischung, ohne dass zwingend ALLE Bereiche der Szene abgedeckt werden müssen. Hier vermischt sich die Musik zu einem großen Ganzen, statt, dass einem gestückelten Häppchen zum Fraß vorgeworfen werden. Gerade die Einbindung von altem Kram ist sehr reizvoll und gut umgesetzt. Bei keiner anderen Veranstaltung habe ich bisher Tänzer gesehen, die zuvor noch mit Leuchten an den Fingern abgezappelt sind und später dann Totengräbertanz veranstalteten – Hier schon.

Michi & Matthias

Eventfotografie (mit freundlicher Genehmigung): Stefan Wasmund – http://www.stw-fotos.de
Location: Zeche Carl – http://www.zechecarl.de/
Veranstaltung: Nachttanz – http://www.facebook.com/nachttanzessen

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Jan 27 2013

Backstage at Der Cult – Schwarzvolk beim Schwarz Tanz

Category: Allgemein,PartyreportageMichi @ 20:51
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Flyer

Es ist etwa 21.30 Uhr in Nürnberg, als ich mit dem Gast-DJ der heutigen Veranstaltung vorsichtig in die Vorhalle des Clubs Der Cult trete. Nicht lange da werden wir auch schon mit einem freundlichen “Warum kommt ihr nicht einfach rein?” in den Laden gebeten. Es werden Hände geschüttelt und Namen ausgetauscht. Ich halte mich als “das Plus” zurückhaltend im Rücken desjenigen auf, mit dem ich die 450 Kilometer angereist bin. Neugierig stehe ich mit hinter dem DJ Pult, schaue mir an, wie alles ruck zuck hergerichtet wird, ehe um 22 Uhr die ersten Gäste da sind.

Der Cult ist einfach ein atemberaubend liebevoll gestalteter Club, der nur mit Fleiß, Schweiß und Blut des Besitzer hergerichtet wurde und damit sein ganzer Stolz ist. Daher sind erste skeptische Blicke auf uns OWLer und auf die Finger des Ex-OWL’schen Veranstalters des Schwarz Tanzes auch nur verständlich. Ein leicht angewärmtes Foyer eröffnet mit rotem Teppich den Weg in die Location selbst, wo man erst einmal einen Raum betritt der gänzlich von der selbsterbauten, hell illuminierten Theke dominiert  und durch den obligatorischen Kickertisch ergänzt wird. Mit Leuchten gut ersichtliche Treppenstufen führen dann in den Tanzflächenraum. Die Leuchten – so nützlich und schön sie auch sein mögen – blenden beim hinaufsteigen der Stufen leider unweigerlich. Rund um die, zugegebener Maßen sehr überschaubare Tanzfläche, gesellen sich verwinkelt gemütliche Sofas und Stehtische mit Barhockern. An der Stirn thront dann schließlich die Bühne, auf der das DJ Pult errichtet ist. Alles ist in sich stimmend dekoriert und nicht überladen. Die Technik gibt von Lasern über einen kleinen Pyroeffekt fast alles her, soweit ich als Laie das beurteilen kann.

Das musikalische Konzept der Veranstaltung ist auf der einen Seite, so wie zahllose andere auch, auf der anderen Seite aber auch innovativ. Es sollen so ziemlich alle “schwarzen” Genres irgendwie abgedeckt werden – Altes, Neues, elektronisch, krachig, rockig oder mittelalterlich. Wechselnde Gast DJ’s sorgen dafür, dass stets frischer Wind weht, da unbestreitbar jeder Scheibenjongleur seine ganz eigene Art hat. Unterstützt werden sie durch einen Haus-DJ, der regionale Eigenheiten kennt und dem Gast-DJ ergänzend, so wie unterstützend zu Seite steht. Diese Seite des Konzeptes ermöglichte mir ja schließlich auch diesen einzigartigen und exklusiven Einblick in die Backstage-Welt einer 450 Kilometer entfernten Veranstaltung (Sowas sieht man nicht alle Tage!). Damit sich kein Genre-Liebhaber langweilt, sollte nach zwei bis drei Stücken wieder gewechselt werden. Das macht es natürlich schwierig für die auflegenden Platten-Maestros, die Mischung nicht nach “von Höcksken auf Stöcksken” klingen zu lassen. Am gestrigen Abend ist es dem DJ-Duo meist gelungen, jedoch auch nicht immer.

Was lässt sich über das Publikum sagen? Wie in der Heimat im Grunde, nur mit einer Ausnahme: Die Cyberleutchens trugen keinen einzigen Fetzen Neon am Leibe, sondern schlichtes, elegantes schwarz. Die Flirtlaune der jungen Männer war sehr gehemmt und es schien mir so, als seien überaus viele Pärchen da gewesen- wie schade! Nunja ein Getränk wurde mir dann doch spendiert, von einem jungen Mann, der das allererste Mal eine schwarze Party von Innen sieht. Ich musste mir das Augenverdrehen unterdrücken, als dieser erstmal loslegte über die verrückten Stylingauswüchse der Gruftis zu fabulieren… same business as always – so bald wie mögliche wieder tanzen gehen!

Das bringt mich zu dem großen Minuspunkt von Der Cult: Die Tanzfläche. Sieht man mal über die etwas unglückliche Größe und den Pfeiler in der Mitte hinweg, so bleiben trotzdem Stolperfallen. Die Platten sind nicht immer zu 100% bündig und, wie ich erschreckender Weise festgestellt habe, nicht fest genug. Eine der Platte hatte sich im Laufe des Abends leicht verschoben und einen Anblick auf den Unterboden frei gemacht. Huch? Das sollte nicht passieren!

Dennoch bleiben auch viele Pluspunkte: Der Laden war voll! Eine Tatsache die in OWL leider nicht mehr selbstverständlich ist. Die Menschen waren überaus freundlich und herzlich. Herzlichsten Dank an die Crew an dieser Stelle! Nachdem ich durch viel Tanzen erstmal warm geworden bin, fühlte ich mich pudelwohl! Und nicht zu vergessen das gemütliche und hübsche Ambiente. Möglichkeiten zu weiteren Entfaltung gibt es noch und nöcher (Hinterräume, zweite Etage), so dass eine OWL’sche Diskogröße vielleicht sogar übertroffen werden könnte! (Ich habe mir von Ansässigen erklären lassen, dass im Süden die Veranstaltungen immer klein und spärlich gesät seien.) Diese wunderbare Seifenblase der  kühnsten Träume der Südlinge zerplatzt jedoch augenblicklich, da eine Erweiterung des Clubs mangels Parkmöglichkeiten niemals genehmigt werden kann.

Fazit: Super Location, solide Veranstaltung. Ausbesserungsarbeiten an der Tanzfläche sind wünschenswert, ansonsten zeige ich mich stark beeindruckt von der Arbeit die in den Laden gesteckt wurde und wird. Der warmherzige Empfang der zu allererst dem Gast-DJ, aber auch mir in Nürnberg geboten wurde, lässt uns eine Wiederholungstat herbei sehnen.

 

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Jan 09 2013

Nothing will last forever – Der Untergang einer Hochkultur

Category: PartyreportageMichi @ 22:09

Ich schreibe diese Zeilen zutiefst betrübt. Ja man könnte sogar sagen, ich sei in Trauerstimmung. So klischeehaft das auch klingen mag: ich betrauere einen schweren Verlust- ich betrauere den Tod.  Nun ist es aber kein Mensch, der diese Welt verlassen musste. Nein es ist das Herz der schwarzen Partykultur Bielefelds.

Die Hiobsbotschaft eröffnete mir jemand aus der internen Struktur, ein DJ. Und der Schock sitzt tief. Der Ringlokschuppen stellt sein Programm um. Diese Worte wird der Ringlokschuppen natürlich nicht verwenden, aber Fakt ist, dass bereits im Dezember und Januar nur noch einmal schwarz gefeiert wurde. Wo man noch beinahe jeden Freitag eine richtig gute Szeneparty, mit viel gut gelauntem Stammpublikum hatte, werden bald Verhältnisse herrschen, die dem Osnabrücker Hyde Park nahe kommen. In dem Kultetablissement in Osnabrück findet jeden zweiten Freitag im Monat, und falls es einen gibt, jeden fünften Freitag im Monat, Gruftfeiern statt. Selbst im X in Herford sind jedoch zwei Samstage im Monat schwarz. Ich weiß, dass diese Region trotzdem reich bestückt mit Veranstaltungen ist, wenn man mal vom Ruhrgebiet absieht. Trotzdem war der Ringlokschuppen das Paradies schlechthin. Selbst Osnabrücker verirrten sich oft dort hin, wenn im Hyde Park nichts lief- oder manchmal sogar gerade am zweiten Freitag, da sie mal neue Luft schnappen wollten. Der Rilo, oder auch liebevoll Schuppen genannt, besitzt nämlich, was die DJ-Auswahl der Umgebung anbelangt ein abwechslungsreiches Set-Up. Drei DJ’s wechselten sich je Veranstaltungswoche ab. Gerade diese Diskjongleure sind es aber auch, die man nicht auf allen größeren Partys der Umgebung trifft. Demnach bietet der Fiese Freitag tatsächlich einen musikalischen “Luftwechsel”. Hyde-Park Evergreens und Rilo Evergreens überschneiden sich teils, sind aber keineswegs identisch. Gerade diese Abwechslung habe ich geliebt.

Man fragt sich nun: wenn der Fiese Freitag doch scheinbar so beliebt ist, warum wird er dann gekürzt? Der Abstieg zeichnete sich schon länger ab, da das Konzept wohl nicht zu 100% aufging. Ich zitiere:  ”Der “Fiese Freitag” startete am 04. September 2009 und stellt das dar, wofür viele den Ringlokschuppen kennen und lieben: außergewöhnliche Musik für außergewöhnliche Menschen! In 2 Hallen und im Club wird Rock, Alternative, EBM/Industrial und vieles mehr zelebriert. 

Große Halle – EBM / Industrial + 
Ebm / industrial hat ein PLUS bekommen. In Zukunft wird neben den Krachern aus der ebm / industrial Szene auch wieder verstärkt dem wave und den schwarzen Klassikern aus den 80ern und 90ern gefrönt. Jeden Fiesen Freitag zaubern euch in der Großen Halle unser DJs Sick, Michelle, Grey & Gast-DJs in loser Reihenfolge nun ein lecker Tanzgericht aus Asche, Staub und Eisen… 

Kleine Halle – rock|o|tronic 
In der Kleinen Halle erwartet euch ab September 2010 an jedem Freitag eine feine, breitgefächerte Mixtur von Rock bis Electronic: Electropop, Electroclash, Rock, Indie, Freaky Sounds, College-Radio-Rock, Cooling Pop Music, Old School Hip Hop, Deutschrap… Freut euch also auf eine feine Party mit Songs von z.B. Frittenbude, Editors, Muse, Ellie Goulding, Bloody Beetroots, LCD Soundsystem, MGMT, Pendulum, Train, Bonaparte, The Prodigy, Placebo, Fettes Brot, The Killers und vielen mehr.

Club – wöchentlich wechselndes Programm”

Wie oder warum letztendlich wurde heftig diskutiert, jedenfalls wurde die große Halle nur noch einmal im Monat geöffnet. EBM/ Industrial + gab es dann nur noch in der kleinen Halle und  rock|o|tronic im Club. Die häufigste Vermutung war, dass zu wenig Gäste für den  rock|o|tronic- Bereich in den Schuppen kamen, da diese Mischung wohl nicht genug Anklang fand. Dann wurde allerdings zudem ein Freitag im Monat “geklaut” für die 80′s Pop and Wave Party (ein Knaller meiner Meinung nach) und einmal im Monat wurde zum üblichen Programm Mittelalter gemischt. Trotz allen Einschränkungen, war es dennoch so, dass ich den Schuppen für seine reichhaltiges Feierangebot geliebt habe.

Zukünftig wird es dieses Angebot nicht mehr in der Reichhaltigkeit geben. Ich bin geneigt symbolisch ein Grab auszuheben… SOGAR die 80er werden nicht mehr zelebriert werden. Das ist der Tropfen, der das Fass bei mir zum Überlaufen bringt. Meine geliebten 80er! Eigentlich wollte ich dieser Veranstaltung einen ganz eigenen Artikel widmen… doch wegen der Umstände hier nur in Kürze: Die 80′s Pop and Wave Party ist vom Publikum her zu 50% schwarz. Die Stimmung ist euphorisch und ausgelassen, da einem keine Wahl bleibt bei Bonny Tyler, AHA, Alphaville, Eurythmics und co. Egal wie mies gelaunt ich auf diese Party gegangen bin- ich habe sie jedesmal total erschöpft und totglücklich verlassen. Einen kleinen Abbruch taten manchmal die stark alkoholisierten, zumeist übergewichtigen, älteren Männer, die mich gerne als Ziel ihrer Flirtversuche auserkoren hatten – naja was solls… noch ist keiner zu aufdringlich gewesen, dass ich ihn nicht hätte abschütteln können und wer über die Tanze hüpft, wie ein Flummiball, der bekommt nunmal auch Aufmerksamkeit. Ich liebe diese Party! Ich werde stark depressiv ohne sie! Bitte erhört doch mein Flehen! Oh du mein armes Herz!

Aber der Grund des Dramas ist nicht von der Hand zu weisen:

a) die 80er Party war zu spärlich besucht, was mir natürlich den ausreichenden Platz auf der Tanzfläche verschaffte, dem Veranstalter aber finanzielle Kopfschmerzen. Es wurde versucht die Veranstaltung mit dem “realtiv” erfolgreichen Konzepts des EBM/ Industrial – Rock/ Metal Gemisches anzufüllen. Damit wurden noch mehr Gruftis angelockt- der Rocker bliebt jedoch zumeist trotzdem fern. Diese Mischung füllte den Club sehr gut- für die große Halle reichte es aber nicht (wie man nach einem Probelauf feststellen musste).  Selbst der Fieser Freitag, der immer gut besucht war- zog nicht die Mengen an Besucherschaaren an, wie die Samstage, bei denen man wohl keinen Fuß mehr in den Laden setzen kann.

b) Das eigentliche Problem des Fiesen Freitags sind aber tatsächlich die Gäste. Denn – wir trinken zu wenig. Wo an Samstagen betrunkene Menschen teils 50 Euro oder mehr an der Bar lassen, sind wir sparsamer. Es ist nicht so, dass gar nicht getrunken wird, aber “Koma- Saufen” und Damen abfüllen sind (zum Glück!) nicht für gewöhnlich an der Tagesordnung. Umsätze macht der Veranstalter aber gerade über alkoholische Getränke. Selbst wenn die Inflation an Freikarten und co. gestoppt würde, würde dies nichts ändern, da am Eintrittspreis angeblich nicht viel zu gewinnen sei.

So wird uns unsere edle Gesinnung zum Verhängnis… Ich bin skeptisch, ob die Besucherzahlen steigen werden an diesem einen Fiesen Freitag im Monat. Zu hoffen bleibt, dass kleinere Locations dieses Loch im Herzen der Bielefelder Szene zu füllen versuchen. Denn ansonsten wird er kommen: Der Untergang der Bielefelder Hochkultur.

Ruhe in Frieden oh du herrliche Tanzkultur. In tiefer Trauer und mit blutendem Herzen gedenke ich dir.

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Dez 28 2012

Ein Mann und sein Klavier – Deine Lakaien Acoustic in der Bochumer Christuskirche

Category: KonzertMichi @ 16:27

2012-12-27 Deine Lakaien FlyerEine Reihe Menschen steht unter Schirmen gedrängt in einer Schlange und versucht dem Regen zu trotzen. Die Schlange steht vor dem Eingang einer Kirche und es schüttet wie aus Eimern, dennoch weicht niemand. Erbarmen von den in der Kirche Anwesenden gibt es erstmal nicht. Sie wenden den im Regen stehenden den Rücken zu und sehen wichtig aus. Das klingt nach sehr traurigen Weihnachten oder? Iwo… ich gehe doch nicht zu einer Weihnachtsmesse! Von zwei Regenschirm-Resten partizipierend stehe ich im Gala- Outfit, aber warm eingepackt  vor der Bochumer Christuskirche und bin seelig, denn nicht mehr lange und ich sehe das erste Konzert meiner liebsten Band.

Oh wie traurig war ich, als ich nach dem Kauf der 2011er Amphi Tickets kein Geld mehr übrig hatte für die Indicator Tour meiner Helden… aber dort am Tanzbrunnen in Köln habe ich sie dann ja gesehen. (Sie waren Headliner in dem Jahr.) Das richtige Konzert fehlte mir dennoch – bis zum gestrigen Abend. “One night, one night I had a dream [...] one day one day all I’ve seen will come true”

Foto: Matthias

Foto: Matthias

Zehn Minütchen vor dem offiziellen Einlass hatte die Security drinnen dann doch ein weiches Herz und wir drängten sanft in das Gotteshaus. Dieses Mal hatte schwarzvolk.net jedoch einen besonderen Gast dabei: Matthias Mutter! Der wurde an diesem Abend mal etwas urgotisches präsentiert. Obwohl das urgotische im Publikum eher dezent zu sehen war und generell viele augenscheinlich szenefremde Personen sich diesen musikalischen Leckerbissen gönnen wollten. Die Lakaien sind für mich zumindest auch einfach musikalisch hohes Niveau, ein wenig morderne Klassik würde ich beinahe sagen. Oder eben: Electronic Avantgarde, wie das Duo sich selbst schon beschrieb. An diesem Abend wurde uns jedoch ein klassisches Acoustic Konzert serviert: Meastro Ernst Horn an seinem Flügel und Monsieur Alexander Veljanov als dazu passendes Goldkehlchen. Mehr brauchte es auch nicht. Die Klänge waren so satt und voll, dass sie den ganzen Raum der Kirche mühelos einnahmen und in dein Herz drangen. Vom ersten Song an hatte ich Gänsehaut und beim zweiten standen mir die Tränen in den Augen. Nun gut… ich verstehe durchaus, dass nicht jeder so zu begeistern ist, wie ich in diesem Fall. Ich bin da einfach nicht ganz objektiv ;)

Foto: Matthias

Foto: Matthias

Zweifelsohne kann man jedoch sagen, dass uns an diesem Abend ein großartiges Konzert geboten wurde, an dem vor allem einer der beiden Musiker hervorstach. Während Veljanov gespannt wie einer Feder, stocksteif, hochkonzentriert die wunderschönsten Klänge seiner Kehle entlockte – mal pathetisch, mal hoch dramatisch, wie bei “Mirror Men” oder dem Urgestein “Dark Star”, so vollführte Herr Horn – man kann es einfach nicht anders beschreiben – Flügel-Akrobatik. Die leeren Wassergläser standen beispielsweise nicht etwa an seinem Flügel, damit er seinen Wasserhaushalt aufstocken kann, sondern, um sie in den Flügel hinein zu legen. Auf die Saiten! Das Ganze ergab den unvergleichlichen Klang des Titels “A Fish called Prince”. Auch leere Zettel wurden auf die Saiten gelegt, um die Klangvielfalt dieses einen Instrumentes ins unermessliche zu steigern. Schlagzeugspielen auf Klaviersaiten? Null Problemo für Ernst Horn, denn wie will man die Dramatik von “Dark Star” anders erzeugen? Allgemein bekam ich das Gefühl dieser Mann müsse doch vier Arme besitzen… Derjenige saß jedoch total versunken mit geschlossenen Augen an seinem Flügel und nur ganz selten sah man seine Anstrengung bei besonders schnellen und lauten Passagen, wenn er dann am ganzen Körper bebend auf die Tasten prügelte. Manchmal glaubte ich zu sehen, wie er sich sogar verstohlen eine Träne von der Wange wischte- aber das mag auch nur Einbildung gewesen sein.

Veljanov wirkte im Kontrast zu Horn sehr ernst. Manchmal lief er verstohlen hinter den Flügel, um sich dort die triefende Nase zu säubern. Er taute zwar im Laufe des Abends auf, doch als diesem unverbesserlichen Perfektionist ein Fehler bei dem zweitletzten Song unterlief, bekam man das Gefühl, er werde sich noch drei Stunden lang darüber schwarz ärgern. Nichts desto trotz schöpfte er die ganze Spannbreite seiner Stimme aus und klang einfach “Wunderbar”.

Ich für meinen Teil möchte behaupten, dass es ein Abend der Extraklasse war an den ich mich noch lange zurück erinnern werde. “When you hear me calling, will you be there?” – Yes I will return!

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Okt 27 2012

Der DJ (2) – oder: Warum niemand wirklich zufrieden ist

Category: AllgemeinMatthias @ 20:00

An dieser Stelle sei mal eine Lanze für unsere Silberling-jonglierende Fraktion gebrochen: Im tiefsten Innern haben wir letztlich doch alle liebgewonnen. Ihr seid wirklich die Besten – dafür Lob und Anerkennung an dieser Stelle.

Warum kommt es aber, dass dennoch permanent gelästert und gemeckert wird? Da gibt es mannigfaltige Ansätze … die Wichtigsten, die mir dazu einfallen, möchte ich hier mal zum Thema machen.

Das größte Problem sind wir selbst … ja, wir Gäste, denen nie etwas recht ist. “Hey, Mr. DJ, play that funky song!” … wenn man sich aber nichts Neues wünscht, wirds auch nichts Neues geben. Natürlich soll alles ausgewogen sein, jeder will “seine Titel” hören und so stehen besonders beim jüngeren Publikum doch immer die Gleichen Stücke auf dem Plan (zum Teil auch einfach deswegen, weil sie garnichts anderes kennen): “Spiel mal Aggronoize und Kombikreischt bitte!” – wer mit begrenztem Horizont wünscht, bekommt auch begrenzte Auswahl serviert.

“OK”, denkt sich manch Älterer … darüber kann sich doch der DJ auch einfach hinwegsetzen und dennoch mal die alten Sachen spielen, die sich genauso vehement die äteren Semester wünschen (immerhin wissen die aber in der Regel schonmal, wie man Interpret und Titel richtig niederschreibt) – und damit genauso den Musicus nerven.

Setzt der DJ genau dieses in die Tat um und bringt … sagen wir mal Laibach … dann ist die Tanzfläche leer, nur ein paar Altwaver und Batcaver werden neben den Neofolkern (die heutzutage genauso selten sind) über die Tanzfläche wiegen. Die “Generation Aggronoize” versucht noch zwei Takte mitzucybern und belagert danach den DJ, er solle doch mal Kombikreischt spielen und nicht so’n Sch…
Gerüchte besagen, dass es schon Sitzstreiks in einem Club auf der Tanzfläche gab, als dem jeweiligen Publikum die Musik nicht passte …

Nun mag man sich denken “Jaaaah gut … die alten Sachen sind halt nicht für jedermanns Geschmack.” Das ist richtig. Aber genauso ablehnend werden nagelneue Stücke behandelt, wenn sie nicht grade die aktuellen Singleauskopplungen der schwarzen Szeneprominenz sind. Dementsprechend wird die Tanzfläche zur Geisterstadt, wenn mal was wirklich Neues gespielt wird.

Spätestens an dieser Stelle tritt der Clubmanager/Wirt/Veranstalter (oder wie auch immer man diesen Knaben nennen mag) auf den Plan – er will eine gut laufende Party, denn nur so lässt sich Geld verdienen. Ist die Tanzfläche leer, klingelt keine Kasse und der DJ bekommt auch von dieser Seite Druck.

“So, was nun?”

Nun versetze man sich mal in die Position des DJs der von allen Seiten nur angemault wird, weil es immer irgendeine (garnichtmal kleine) Fraktion geben wird, die meckert. Man macht den sprichwörtlichen “Dienst nach Vorschrift” … und zwar mit genau dem gleichen Elan, den diese Begrifflichkeit schon bei der Bundeswehr ausdrückt – nämlich keinem. Auch mir würde innerlich mein Mageninhalt schon bis Anschlag in der Speiseröhre stehen, müsste ich Abend für Abend das gleiche Programm abspulen – vor allem, wenn ich die Musik nichtmal selbst mag.

Lösungsvorschläge?

Zumindest einen hätte ich vorzubringen, auch wenn das ein Lösungsvorschlag für die eher “hartgesottene” Schwarzkittelfraktion ist: Eine DJs Choice Party. Was soll das bedeuten? Ganz einfach … der DJ spielt das, wozu ER (bzw. SIE) Lust hat und wird von nervigen Wunschzetteln befreit. Musikwünsche verboten. Zum Einen würde das Publikum mal andere Klänge um die Ohren gebraten bekommen und nebenbei etwas “umerzogen”, zum anderen kann der DJ auch mal wieder etwas experimentieren und mal was Neues oder Ungewohntes unter das Publikum streuen. Ob das funktioniert kann ich natürlich auch nicht vorhersagen, aber vielleicht wäre es mal einen Versuch wert?

Nun die Frage an die Gemeinschaft (und auch an die DJs): Habt ihr Ideen? Nutzt die Kommentarfunktion und schreibt. Nur wer darüber diskutiert, kann Lösungen finden!


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